Zivil-militärische Partnerschaften im Fokus – 18. Fachtagung der Schweizerischen Konferenz ziviler Stabsangehöriger
Pünktlich um 13.30 Uhr eröffnete der diesjährige Präsident der SKZS, Philipp Isler, die Fachtagung und führte mit einem Blick auf die geopolitische Lage ein. Der Krieg in der Ukraine zeige, wie wichtig die genannte Zusammenarbeit ist. „ Die hybride Bedrohung ist auch für die Schweiz real und dynamisch. Zivil-militärische Zusammenarbeit muss geübt werden – nicht nur auf dem Papier, sondern in der Praxis,“ betonte Isler.
Matthias Holenstein, Geschäftsführer der Stiftung Risiko-Dialog, übernahm die Moderation und gab die Richtung des Nachmittags vor: Nur gemeinsam mit der Bevölkerung, Wirtschaft und den staatliche Akteuren könne den neuen Herausforderungen begegnet werden. „Die Bevölkerung ist Souverän und Teil der Lösung. Wir müssen eine neue Resilienzkultur aufbauen, Innovation leben und Krisenkompetenz trainieren.“
Grauzonenkonflikte und hybride Bedrohungen
Den Auftakt der Fachreferate machte Oberst i Gst Pierre-Yves Eberle, stellvertretender Stabschef der Operativen Schulung (SCOS). Unter dem Titel „Grauzonenkonflikte – was ist das?“ zeigte er eindrücklich auf, wie sich moderne Bedrohungen im Schatten klassischer Kriegführung entfalten.
Hybride Konflikte – von Desinformation über Cyberangriffe bis zu Sabotageakten – verlangten eine ganzheitliche Antwort. „Der Gegner kann einen ganzen Strauss an Mitteln einsetzen“ so Eberle. Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen, gezielte Fake-News-Kampagnen oder Spionage mittels Drohnen seien längst Realität. „Wenn die Gegenseite eine offene Eskalation vermeiden kann, wählt sie hybride Mittel,“ warnte er.
Eberle unterstrich die Bedeutung gemeinsamer Übungen: Nur wer seine Partner und deren Kompetenzen kenne, könne im Ernstfall rasch und wirksam reagieren. Ein Filmbeitrag zur Übung VERITAS CHERUBIM verdeutlichte die strategische Dimension solcher Kooperationen.
Swisscom zwischen Markt und Sicherheit
Als Vertreter der Privatwirtschaft sprach Antonio Sirera von Swisscom über den Spagat zwischen Marktorientierung und sicherheitspolitischer Verantwortung. Die Swisscom, als Betreiberin des grössten Telekommunikationsnetzes der Schweiz und eine der fünf grössten Steuerzahlerinnen des Landes, sieht sich als integraler Bestandteil der nationalen Sicherheitsarchitektur.
Die strategische Partnerschaft mit dem Kommando Cyber sei ein zentrales Element der zivil-militärischen Kooperation. Die Swisscom ist eine der wenigen kritischen Infrastrukturbetreiberinnen, welche eine militärische Einheit, den Fachstab Telecom, betreibt. Mit der Revision des Militärgesetzes können künftig Requisitionen früher und auch auf Dienstleistungen wie die der Swisscom angewandt werden, um die Armee im Ereignisfall mit Telekommunikationsleistungen zu unterstützen. „Eine dedizierte Organisation, gemeinsame Prozesse und regelmässige Übungen sind dafür unabdingbar,“ so Sirera.
Er betonte, dass Sicherheit nicht allein durch Marktmechanismen gewährleistet werden könne, vor allem weil Mitbewerber diese Kosten oft nicht zu tragen hätten: „Der Wettbewerb soll aus dem Markt finanziert werden – die faire Vergütung des Sicherheitsbeitrags wäre jedoch Aufgabe des Staates.“
Operationsplan Deutschland: Resilienz als gesamtstaatliche Aufgabe
Mit einem Blick über die Grenze berichtete Oberst i.G. Armin Schaus, Abteilung J9 (ZMZ) im Operativen Führungskommando der Bundeswehr, über die Entwicklung des Operationsplans Deutschland (OPLAN DEU). Zwischen Frieden, Krise und Krieg müsse die gesamte Gesellschaft einbezogen werden.
„Die unbeschwerte Zeit der 90er-Jahre ist vorbei. Hybride Bedrohungen sind Realität – und sie kennen keine Grenzen,“ sagte Schaus. Kommunikation sei dabei zentral: Schweige der Staat, übernähmen Dritte das Wort – ein Einfallstor für Desinformation und Manipulation.
Das deutsche Modell der Gesamtverteidigung umfasst die militärische und zivile Verteidigung und schliesse Wirtschaft und Industrie explizit ein, Logistikleistungen für die Erfüllung militärischer Aufgaben seien vorgeplant. Die Zivil-militärische-DACH-Zusammenarbeit mit der Schweiz und Österreich funktioniere bereits gut. Doch auch in Deutschland gebe es offene Rechtsfragen, etwa bei der Drohnenabwehr oder Zuständigkeiten im Cyberraum.
Digitale Lagebilder: Innovation aus der Armee
Oberst Mike Kronenberg, Leitender Nachrichtenoffizier der Territorialdivision 4, präsentierte abschliessend das System RAYDEX – eine teilautomatisierte Lösung zur Lageaufbereitung auf Basis von OSINT-Daten, unterstützt durch die Swiss Innovation Forces. Ziel sei es, Datenflüsse zu bündeln und kritische Infrastrukturen gezielter zu analysieren. „Analyse und Adaption müssen Hand in Hand gehen und ohne Auftrag, kein klares Bild“ so Kronenberg.
Podiumsdiskussion: „Wie resilient sind wir?“
In der abschliessenden Diskussion stellte Moderator Holenstein die provokante Frage: „Wo stehen wir auf einer Skala von 1 bis 10?“
Die Antworten der Podiumsteilnehmer zeigten ein differenziertes Bild. Einig war man sich jedoch, dass Resilienz Vernetzung, Vertrauen und Kommunikation brauche. Transparenz schaffe Glaubwürdigkeit, und eine gelebte Milizkultur könne kurze Wege und wertvolle Synergien schaffen.
„Sicherheit muss wieder wertgeschätzt werden, und die anstehenden Herausforderungen können nur gemeinsam durch die Bevölkerung, die Wirtschaft und die Sicherheitsorgane angegangen werden“ lautete das gemeinsame Fazit.
Ausblick
Zum Abschluss wurde auf das exklusive Online-Referat von Martina Freivogel für SKZS-Mitglieder verwiesen sowie auf die nächste Fachtagung der SKZS am 9. September 2026.
Die 18. Fachtagung der SKZS machte deutlich: Zivil-militärische Partnerschaften sind kein optionales Element der Sicherheitspolitik – sie sind deren Fundament.