, Flückiger Nicolas

Onlinereferat Krisenmanagement während dem Unwetter im Wallis 2024: Ein Rückblick

Am 12. März 2026 bot Pascal Hofmann, Koordinator Bevölkerungsschutz im Oberwallis, den Mitgliedern der Schweizerischen Konferenz ziviler Stabsangehöriger (SKZS) einen exklusiven Einblick in die Bewältigung der schwersten Überschwemmungen im Wallis der letzten Jahrzehnte. Das Referat beleuchtete eindrücklich, wie das Kantonale Führungsorgan (KFO) Wallis ein Ereignis von historischem Ausmass bewältigte und welche operativen Herausforderungen sowie Lehren sich daraus für kantonale Krisenstäbe ergaben.

Begrüsst wurden die Teilnehmenden von Philipp Isler, der den Nachmittag moderierte. Die Ereignisse im Juni und Juli 2024 markierten für das Wallis eine extreme Belastungsprobe, da die Kombination aus intensiven Niederschlägen und einer zeitgleichen, starken Schneeschmelze an der Rhone an mehreren Messstationen zu einem sogenannten „100-jährlichen Hochwasser“ führte.

Chronologie einer Naturkatastrophe von historischem Ausmass

Während der intensivsten Phase des Ereignisses waren insgesamt 82 Gemeinden auf verschiedenen Ebenen betroffen. Mehr als 400 Personen mussten im gesamten Kantonsgebiet evakuiert werden, während 25 regionale Führungsstäbe die Koordination vor Ort der Schutz- und Wiederaufbaumassnahmen sicherstellten. Ein besonders tragisches Beispiel bot Saas-Grund, wo sich der sonst unscheinbare Triftbach innerhalb kürzester Zeit zu einem reissenden Strom aus Wasser und Geröll entwickelte, der das Dorfzentrum verwüstete und ein Todesopfer forderte. Nahezu alle Rhone-Anrainergemeinden waren von den Fluten betroffen, was zur Sperrung der Autobahn A9 sowie der Bahnlinie im Mittelwallis führte und Regionen wie das Goms zeitweise von der Aussenwelt abschnitt.

Operative Führung und technologische Resilienz

Pascal Hofmann verdeutlichte in seinen Ausführungen, dass das Krisenmanagement unter solchen Bedingungen weit über die reine Koordination hinausging. Der fast dreiwöchige Einsatz forderte das Kantonale Führungsorgan (KFO) personell und logistisch enorm, da es galt, über diesen langen Zeitraum ein präzises Lagebild zu erstellen und kontinuierlich die richtigen Massnahmen abzuleiten. Erschwerend kamen punktuelle Ausfälle im Mobilfunknetz und im Polycom-System hinzu, wodurch sich moderne Lösungen wie Starlink- oder andere Satellitenverbindungen als wichtige Redundanz erwiesen. Zudem blieb der Umweltschutz eine zentrale Herausforderung, da insgesamt sieben Abwasserreinigungsanlagen und weite Teile der Abwassersysteme, unter anderem im Goms, im Saastal und in Leuk, massiv beschädigt wurden und ihren Betrieb einstellen mussten.

Ein beispielloses Aufgebot an personellen Mitteln

Ein Schlüsselfaktor für die erfolgreiche Bewältigung war die beispiellose Mobilisierung von Einsatzkräften und die ausgeprägte nationale Solidarität. Allein die Feuerwehren standen mit 700 Angehörigen aus über 35 Walliser Korps im Einsatz, unterstützt durch weitere 150 Feuerwehrleute aus den Kantonen Genf, Waadt und Neuenburg. Auch der Zivilschutz leistete einen massgeblichen Beitrag: Zu den 300 Walliser Dienstpflichtigen stiessen 120 Einsatzkräfte aus Genf und 150 aus Bern hinzu. Parallel dazu leistete die Schweizer Armee im Subsidiaritätsprinzip einen wichtigen Beitrag. Insgesamt 260 Armeeangehörige unterstützten die Arbeiten, wobei 157 von ihnen rund um die Uhr direkt vor Ort aktiv waren. Komplettiert wurde dieses Aufgebot durch über 100 Personen der Infrastrukturbetreiber sowie zahlreiche Gemeindedienste und Privatunternehmen, die unermüdlich an der Wiederherstellung der Infrastruktur arbeiteten.

Politische Weichenstellung und lokale Verankerung

Rückblickend zog Pascal Hofmann eine positive Bilanz der strukturellen Vorbereitungen und verwies auf die Bedeutung des politischen Rückhalts. Ein Beschluss des Staatsrates von 2023 zur Stärkung des KFO hatte die Reaktionsfähigkeit rechtzeitig optimiert. Auch die lokale Verankerung durch die Notfalltreffpunkte in den Gemeinden bewährte sich als direkte und rege genutzte Anlaufstelle für die Bevölkerung.

Fazit: Das Wallis als Seismograph für künftige Krisen

In der abschliessenden Diskussion wurde deutlich, dass die Wirksamkeit der Führungsorgane und das massive Aufgebot der Bevölkerungsschutzelemente Schlimmeres verhindert haben, auch wenn der wirtschaftliche Gesamtschaden noch nicht abschliessend beziffert ist. Das Wallis ist besonders von den aktuellen klimatischen Entwicklungen betroffen, was es den übrigen Kantonen und Gemeinden ermöglicht, die nötigen Präventionsmassnahmen und Bewältigungsstrategien vorzubereiten.

Die SKZS dankt Pascal Hofmann herzlich für diesen fundierten Praxisbericht, der einmal mehr aufzeigt, wie essenziell der fachliche Austausch und die überregionale Zusammenarbeit für die künftige Krisenfestigkeit sind.